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Oktober 2011: Dänemark - Wohnungslose bestimmen mit!

Mitbestimmung wird in der dänischen Sozialpolitik groß geschrieben. Das zeigte ein Besuch von Sofia Martinsson, Mitarbeiterin im FSW (Wiener Wohnunglosenhilfe), bei drei Interessensvertretungen für sozial ausgegrenzte Menschen in Kopenhagen.

SAND: Interessensvertretung der Wohnungslosen

SAND ist die Interessensvertretung der Wohnungslosen in Dänemark. Ziel von SAND ist es, die Ursachen und Auswirkungen von Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. Stig Badentorp ist ehrenamtlich für die Organisation tätig. Er hat selbst Erfahrungen mit Wohnungslosigkeit gemacht und berichtet:

„In Dänemark ist die Partizipation von Betroffenen und Personen, die soziale Dienstleistungen in Anspruch nehmen, gesetzlich geregelt. Es muss diese Organisationen geben und sie bekommen staatliche Fördergelder. Somit haben wir ein gutes Budget und können für unsere Mitglieder viel erreichen. Auch zu den PolitikerInnen in Stadtregierungen und der Bundesregierung haben wir gute Kontakte etabliert.“

SAND beschäftigt landesweit sieben hauptamtliche MitarbeiterInnen, die übrigen etwa hundert Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. Insgesamt hat die Organisation etwa 5.300 Mitglieder. In jeder Einrichtung für Wohnungslose gibt es Hausversammlungen oder „BewohnerInnenräte“, wie sie in Dänemark genannt werden. Bei diesen Treffen werden die VertreterInnen auf regionaler Ebene gewählt. Die regionalen Organisationen wiederum wählen den nationalen Vorstand von SAND. Damit ist SAND eine Organisation von Betroffenen für Betroffene.

SAND ist aktuell auch daran beteiligt, ein europäisches Netzwerk von wohnungslosen Personen aufzubauen. Die Gründungsversammlung von „HOPE – HOmeless PEople in Europe“ hat Ende Oktober in Luxemburg stattgefunden.

Rat der Randgruppen in Kopenhagen

„Udsatterådet“, der „Rat der Randgruppen“ in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, besteht seit 2010. Der Rat ist aus NutzerInnen sozialer Dienstleistungen – Menschen, die Erfahrungen mit Sucht, Prostitution, Obdachlosigkeit etc. gemacht haben – und aus professionell im Feld tätigen Personen zusammengesetzt. Die zwölf RepräsentantInnen vertreten jeweils eine Organisation, so zum Beispiel auch SAND, die Interessensvertretung der Wohnungslosen. Der „Rat der Randgruppen“ ist also ein Sprachrohr sozial benachteiligter Menschen und hat eine ratgebende Funktion für Stadtregierung und -verwaltung.

Beirat für sozial benachteiligte Menschen im Sozialministerium

Nicht nur auf lokaler Ebene („Rat der Randgruppen“) bestimmen sozial benachteiligte Menschen in Dänemark mit. Auf nationaler Ebene vertritt das „Council for Socially Marginalized People” die Interessen von Personen, die Erfahrungen mit Missbrauch, Gewalt, Prostitution oder Wohnungslosigkeit gemacht haben, im dänischen Sozialministerium.
Der Beirat wird direkt vom Sozialminister/von der Sozialministerin bestellt, ist ebenfalls aus Betroffenen wie auch aus professionell tätigen ExpertInnen zusammengesetzt und nicht weisungsgebunden.

Sowohl der „Rat der Randgruppen“ als auch der Beirat für sozial benachteiligte Menschen im Sozialministerium geben Stellungnahmen zu Gesetzesvorschlägen ab, bearbeiten aber auch eigenständig Themen, geben Studien in Auftrag und formulieren Vorschläge an die Politik. Die Erfolgsbilanz: in den zehn Jahren des Bestehens des Beirates für sozial benachteiligte Menschen wurde ein Drittel seiner Vorschläge durch die Politik umgesetzt.

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